Wir haben die Bibel, wir haben Predigten, Weihnachtspredigten, Videopredigten, christliche Bücher. Im theoretischen Bereich haben wir jede Menge Lehre. Und im praktischen? Gähnende Leere.
Lernen in der Praxis statt in der Theorie. So was habe ich mehrfach bei Freizeiten erlebt. Nennt sich „Workshop“. Davon wurden oft welche angeboten, meist drei oder vier. Da habe ich mir immer den interessantesten ausgesucht.
Was ist der Unterschied zwischen einer Predigt und einem Workshop?
Predigt: Einer redet, alle hören zu.
Workshop: Einer macht es vor, alle machen es nach.
Beim Workshop sieht man sofort, wer was gelernt hat.
Sie möchten anderen etwas beibringen, haben schon oft darüber gepredigt und sogar ein Buch drüber geschrieben, aber die anderen kapieren es einfach nicht?
Mein Rat: Machen Sie einen Workshop draus!
Jesus machte es so. Anstatt nur zu predigen, lehrte er auch in der Praxis. In einer Kleingruppe.
Ich erinnere mich an eine heftige Diskussion, es sei unmöglich, ein Auto mit Muskelkraft zur Seite zu ziehen. Ich packte das Auto an, forderte alle Umstehenden zum Mitmachen auf, wir zogen das Auto zur Seite, und die Diskussion war beendet.
Vor vielen Jahren, als Beamer noch etwas Besonderes waren, wollte unsere Gemeindeleitung keinen Beamer kaufen. Es wurde lange diskutiert. Es gab jemand, der war schlauer: Anstatt mitzudiskutieren, stellte er leihweise einen Beamer auf. Und plötzlich wollte die Gemeinde einen Beamer haben. Und bekam ihn.
Im Zimbardo Psychologiebuch steht:
Als eine Gruppe von Hauseigentümern gebeten wurde, die Aufstellung einer großen hässlichen öffentlichen Plakatwand mit der Aufschrift „Bitte vorsichtig fahren“ auf dem Rasen vor ihren Häusern zu gestatten, weigerten sich die meisten (83 %). Sechsundsiebzig Prozent einer zweiten Gruppe gaben dieser außergewöhnlichen Bitte nach. Wie kam es zu dem Unterschied? Zwei Wochen zuvor hatten die meisten Mitglieder der zweiten Gruppe bereitwillig auf eine kleine Bitte reagiert - entweder ein Zeichen von nur ca. 10 x 10 cm Größe mit der Aufschrift „Sicher fahren“ aufzustellen oder eine Petition „Bewaren Sie die Schönheit Kaliforniens“ zu unterschreiben. Zwei Wochen später kam eine andere Person mit der großen Bitte wegen der Aufstellung des „Bitte vorsichtig fahren“-Plakates, die mit der vorhergehenden Verpflichtung in keiner Beziehung stand, an ihre Tür. Die Vpn waren dieser Aufforderung gegenüber aufgeschlossener als die Kontrollgruppe, die nicht bereits vorher eine kleine Verpflichtung eingegangen war (...).
„Psychologie“ (Zimbardo) Seite 583
Dazu einige Zitate von Dale Carnegie:
Es ist dem menschlichen Geist nicht möglich, einer monotonen Aufzählung von Tatsachen aufmerksam zu folgen. Klingt Ihre Rede wie eine Textsammlung oder ein Lexikon, so werden Sie die Aufmerksamkeit nicht lange fesseln können.
„Besser miteinander reden“ Seite 62
Der Redner sollte versuchen, nur wenige Gesichtspunkte zu behandeln, diese aber durch tatsächliche Geschehnisse illustrieren. Einer solchen Rede wird die Aufmerksamkeit kaum versagt bleiben. Die reichste Quelle menschlich interessierenden Stoffes ist selbstverständlich die eigene Lebenserfahrung.
„Besser miteinander reden“ Seite 70
Durchforschen Sie Ihr Leben nach eindrucksvollen Erfahrungen, aus denen Sie etwas gelernt haben, und sammeln Sie Ihre Gedanken, Ihre Ideen, Ihre Überzeugungen, die Sie aus diesen Erfahrungen gewonnen haben.
„Besser miteinander reden“ Seite 34
Nie wird ein Redner sich über Unaufmerksamkeit seiner Zuhörer zu beklagen haben, der von dem berichtet, was das Leben ihn gelehrt hat.
„Besser miteinander reden“ Seite 45
Wenn Sie sich an ein Geschehnis noch nach Jahren lebhaft erinnern, haben Sie nahezu die Garantie, dass es auch andere interessieren wird.
„Besser miteinander reden“ Seite 48
Ich kenne keine zwingendere Methode, eine Rede zu beginnen, als durch die Erzählung einer Geschichte.
„Besser miteinander reden“ Seite 219
Wenn ich ein Problem habe, und nach einer Lösung suche, und jemand zeigt mir, wie ich es lösen kann, ist ihm meine Aufmerksamkeit sicher.
Jakobus 1,22
Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen!
In meiner Gemeinde habe ich mich oft gefragt: Wie soll man „Täter des Wortes“ sein, wenn sich die Predigt nicht in Taten umsetzen lässt? Ich habe mich oft gelangweilt, bin manchmal eingeschlafen, und habe mich immer wieder gefragt: Was soll ich hier? Habe nur ich dieses Problem?
Yonggi Cho schreibt:
Das ist das Problem vieler Gemeinden (...) und auch der Grund, warum viele Leute (...) nicht zur Kirche gehen. Warum sollten sie zu einer christlichen Gemeinde gehen, wo auf ihre Herzensnöte nicht geantwortet wird. (...) Ich versuche mit aller Kraft, meine Predigten in Relation zu den Schwierigkeiten meiner Leute zu gestalten. (...) Wenn ich also predige, um ihnen Erfolg auf diesen Gebieten zu bringen, kommen die Leute zur Gemeinde und sitzen in den Gängen, um die Predigt zu hören.
„Erfolgreiche Hauszellgruppen“ Seite 145
Und er schreibt weiter:
Menschen beurteilen Predigten nach ihren eigenen Interessen. Sie sind daran interessiert, ob es Zugewinn oder Verlust für sie bedeutet. Sie fragen: „Was gewinne ich aus dieser Predigt?“ Wenn die Predigt ihre Not anspricht, wenn sie etwas für ihr persönliches Leben daraus ziehen können, kommen sie (...). Leute gehen zum Aktienmarkt, egal, welches Wetter herrscht, egal, welche Unannehmlichkeiten es bedeutet und sie stehen dort und sehen auf die Tafel, die die An- und Verkaufspreise der Aktien angeben, an denen sie interessiert sind. Sie sind sehr interessiert, manchmal schon verzweifelt interessiert daran, ob sie etwas gewonnen oder verloren haben. Auf dieselbe Art beurteilen die Menschen unsere Predigten. Sie sind nicht an Redekunst interessiert, sondern nur daran, ob sie etwas gewinnen oder verlieren.
„Erfolgreiche Hauszellgruppen“ Seite 146
Und er schreibt auch noch:
Ich kann für eine, zwei oder drei Stunden predigen und die Leute sind wie gefesselt. Warum? Weil die Predigt ihre Nöte anspricht. Es betrifft sie und ihr Leben. (...) Die Menschen hören zu, weil sie fühlen, dass sie etwas wunderbares gewinnen können, wenn sie meinen Predigten zuhören. Sie bleiben und passen auf.
„Erfolgreiche Hauszellgruppen“ Seite 148
Das ist der Punkt. Man kann etwas draus gewinnen. Wenn Menschen ein Seminar besuchen und dafür weit reisen und Geld bezahlen, tun sie das, um etwas draus zu gewinnen. Zu lernen. Genau das konnten wir z.B. auf dem Pfadfinderseminar.
Dale Carnegie schreibt:
Keine Zuhörerschaft kann dem Redner Aufmerksamkeit verweigern, der sich ihrer Probleme annimmt. Stellen Sie sich selbst die Frage, wieweit die genaue Kenntnis Ihres Themas Ihren Zuhörern dabei helfen kann, ihre Probleme zu lösen und ihre Ziele zu erreichen. Dann legen Sie ihnen das deutlich dar – und Sie werden die ungeteilte Aufmerksamkeit gewinnen.
„Besser miteinander reden“ Seite 94
Und er schreibt weiter:
Die wohl wichtigste Voraussetzung zum Erfolg der (...) Rede ist die genaue Vorstellung des Redners vom Hauptzweck seines Vortrags.
„Besser miteinander reden“ Seite 109
Klaus Douglass schreibt:
Jeder Prediger sollte in einem Satz beantworten können, was er mit seiner Predigt konkret bei seinen Zuhörern erreichen will.
„Gottes Liebe feiern“ Seite 145
Anfangs habe ich viele Fehler gemacht. Mein erstes Seminar war ein Desaster.
Einmal habe ich einen Männertreff gegründet und habe einen Fehler gemacht. Anstatt Gleichgesinnte zu suchen, die das gleiche Ziel haben, habe ich wahllos alle Männer eingeladen, und erst danach gesagt, was ich vorhatte. Das wollten die nicht. Jeder wollte was anderes. Was ich auch vorschlug, es gab immer einige, die nicht mitmachen wollten. Ich konnte es nie jedem recht machen, und viele verließen den Männertreff.
Ein andermal habe ich einen Teentreff gegründet, habe Gleichgesinnte gesucht, die das auch wollten, von sich aus, und hochmotiviert waren. Ich habe viele gefragt, ob sie bei dieser Arbeit mitmachen wollen. Eine Frau sagte, es sei ihr Traum, und eine andere sagte, sie wolle was mit Kindern machen. Da hatte ich meine beiden Mitarbeiterinnen gefunden. Und ich habe zwei Männer gefunden, welche die Gabe des Gebets haben, und sie dafür beten lassen, und Teens bzw. Kinder kamen reichlich.
Fazit: Mit Gleichgesinnten funktionier es besser.
Ditko Engelen schreibt:
So ist Pädagogen z.B. schon lange aufgefallen, dass sie oftmals Schüler haben, die kaum eine Information behalten können, die aber den gesamten Computermarkt mit allen aktuellen Preisen überblicken.
„In Bildern reden“ Seite 94
Alexander Christiani schreibt etwas ganz ähnliches und fügt hinzu:
Wenn unser Herz dahintersteht, ist Lernen kein Problem: Informationen fliegen uns zu, wir hören sie einmal und setzen sie sofort um.
„Weck den Sieger in dir“ Seite 36
Lassen Sie es mich Ihnen an einem Beispiel erklären:
Um kochen zu können bauen Pfadfinder einen Feuertisch, und dazu müssen sie spezielle Knoten können. Auch für Esstisch und Sitzbank braucht man Knoten, zum Zeltaufbau und für andere Zwecke. Die Teilnehmer waren Hunderte Kilometer gefahren und hatten neunzig Euro bezahlt, um zu lernen, wie man eine Pfadfinderarbeit startet, und das geht nur, wenn man die Knoten kann. Sagt dann jemand: „Ich bringe euch bei, wie man die Knoten macht.“, sind die Zuhörer brennend aufmerksam und finden den Vortrag über Knoten maßlos spannend. Genau das wollen sie wissen. Nun stellen Sie sich vor, ein Pastor steigt Sonntag morgens auf die Kanzel und sagt: „Ich bringe euch bei, wie man Knoten macht.“ Dann rennen alle weg. Und sagen: „Das wollen wir gar nicht wissen!“ „Wie langweilig!“
Was ich damit sagen will, ist:
Ob ein Vortrag interessant ist oder nicht, hängt zu einem großen Teil davon ab, zu welchen Leuten man spricht.
Ich bin der Meinung:
Wer Leute um sich sammelt, die den gleichen großen Traum haben, und ihnen zeigt, wie er Wirklichkeit werden kann, dem wird die Aufmerksamkeit gewiss sein.