Feuer

Die dicksten Stämme legte ich nach unten, waagerecht nebeneinander in einer Schicht. Nicht ganz dicht, es soll noch Luft durchziehen können, dazu genügt ein ganz klein wenig Abstand. Darüber legte ich als nächste Schicht die nächstdünneren Stämme oder Äste, und zwar quer. Wieder waagerecht nebeneinander, eine etwas schmalere Schicht, damit es nicht überhängt und später möglichst nicht herunterfällt. Die nächste Schicht wieder quer zur vorherigen, und immer so weiter, sodass sich eine Form ergibt, die man Pyramide oder Pagode nennt. Hartes Buchenholz brennt länger, als weiches Fichtenholz, aber das ist bei einem Lagerfeuer kein wirklicher Vorteil, daher ist es egal, welches Holz, es muss nur trocken sein. Bei den obersten Schichten, die aus ganz dünnem Holz bestehen, mache ich es etwas spezieller. Ich verwende kein gewachsenes Holz, keine Zweige, sondern gespaltenes Holz. Und zwar Nadelholz, z.B. Fichte oder Kiefer. Das brennt besser. Und, wie gesagt, es muss trocken sein. Ich habe es oft mit gewachsenem Holz gemacht, mit Zweigen, das brennt auch, aber eben nicht ganz so gut. Als oberste Schicht verwende ich eine Handvoll streichholzdünne handgeschnitzte Späne, die ich mit einem scharfen Messer von dem gehackten Nadelholz abschabe. Ich habe als Kind als oberste Schicht oft Heu oder Stroh verwendet, das brennt auch gut, aber nicht ganz so gut, wie diese handgeschnittenen Späne. Heu erzeugt Rauch. Oft habe ich durchgetrocknete Tannenzweige vom Weihnachtsbaum verwendet, die brennen wie verrückt, aber trotzdem erlischt die Flamme manchmal plötzlich, dann muss man nachzünden, und das ist peinlich. Wenn ich ohne Vorbereitung einfach schnell ein Feuer anzünden will, kriege ich es damit wunderbar hin, aber wenn ich Leuten zeigen will, wie man ein möglichst gutes Feuer macht, nehme ich handgeschnitzte Späne. Dann besteht das Feuer nur aus Holz. Kein Papier, kein Benzin, nur Holz. Ich halte ein Streichholz oben an die Spitze und dann brauche ich für den Rest des Abends nichts mehr zu tun. Nicht pusten oder husten, keine Luft zufächern, nichts nachlegen. Nur zusehen, wie es stundenlang nahezu rauchfrei von oben nach unten herunterbrennt, und keine Reste übrigbleiben, nur Asche.

Während es brannte fragte jemand, warum das Feuer nicht raucht. Meine Antwort: Weil es von oben nach unten brennt.

Auf die Idee gebracht hat mich das Feuer beim Nationalen Trainingscamp der Royal Rangers Pfadfinder. Nennt sich „Ratslagerfeuer“. Ich habe gestaunt. Und das Seltsame war: Es war mir in dem Moment nicht bewusst, dass ich gestaunt habe. Genauso wenig bewusst war mir, warum ich gestaunt habe. Es schien magisch! Wie er das Feuer entzündete, und wie es brannte. Da war etwas, ich wusste nicht, was, das mich in Staunen versetzte. Im Nachhinein, nachdem ich lange drüber nachgedacht habe, wurde es mir klar. Es war die hohe Professionalität. Wie viele Feuer habe ich erlebt, z.B. Osterfeuer, die mit Papier gezündet wurden oder mit Gas oder Benzin, und trotzdem kaum brennen wollten, die von unten angezündet wurden, statt von oben, und deshalb viel Rauch entwickelten. Die umkippten, nicht in Gang kamen, Haufen von unverbrannten Resten übrig ließen. Dieses dagegen brannte von oben nach unten, und zwar hell, nahezu rauchfrei, schnell und lange.

Wenn man am Feuer steht oder sitzt, backen Leute jeden Alters gerne Stockbrot. Ich habe jemand ein Kilo Mehl und ein Päckchen Hefe in die Hand gedrückt. Der hat daraus Hefeteig gemacht, den konnten wir um Stöcke wickeln und an der Glut rösten.

Und vergiss nicht, Lieder singen zu lassen.

Und eine Spukgeschichte vorlesen zu lassen.

Gute Nacht!