Gespräche in Kleingruppen

Arbeit macht hungrig, und nach dem Arbeitseinsatz gab es deshalb sofort, genauer gesagt, irgendwann, nach langer Zeit, endlich ... Essen.

Nachdem sie gegessen hatten, saßen die Teilnehmer verteilt auf kleine Gruppen an den Tischen und unterhielten sich.

Die Leute wurden durch das Essen gesprächig und hatten eine gute Gelegenheit, sich mal in Ruhe in kleinen Gruppen auszusprechen.

Ich glaube, das tut der Gemeinschaft gut, an der es in so vielen Gemeinden mangelt. Genau das ist einer der Hauptzwecke von Kleingruppen, und genau das passiert, wenn Gott Gelingen schenkt, gerade dann, wenn alle zusammen sind und Zeit und Ruhe dafür haben.

Auch am Folgetag hatten wir noch eine Kleingruppenzeit.

Ich leitete eine der Gruppen, indem ich reihum fragte, welche Probleme jeder einzelne hat. Und das kann ich dir sagen: Wenn man so eine Frage stellt, braucht man sich um schweigende oder unaufmerksame Teilnehmer nicht zu sorgen. Jeder sagte was, manch einer redete wie ein Wasserfall, und alle waren aufmerksam.

Zum Schluss gab es eine kurze Gebetszeit.

Es mangelt oft an Gelegenheiten, sich auszusprechen

Christian A. Schwarz schreibt:

In einem christlichen Magazin habe ich ein Interview mit einem kürzlich bekehrten jungen Mann gelesen, der über sein früheres Leben nachdachte. „Wissen Sie”, sagte er, „das einzige, was ich jetzt vermisse, ist die Gemeinschaft, die ich mit den Leuten in der Kneipe hatte. Wir saßen viel zusammen, lachten, tranken ein Bier, erzählten Geschichten und hatten einfach Spaß. Leider gibt es solche Gemeinschaft unter Christen nicht. Seitdem ich Christ bin, gibt es keinen Ort mehr, wo ich über meine inneren Kämpfe und Fehler erzählen könnte - ohne dass mir gleich ein anderer eine Predigt hält oder einen Bibelvers zitiert.”

„Die 3 Farben der Liebe“ Seite 121

Gespräche erfordern kleine Gruppen

Ich war oft in Gruppen, in denen mehr als zehn Leute zusammen waren, vielleicht zwanzig oder dreißig, ein kleiner Gottesdienst oder eine kleine Mitgliederversammlung z.B., und dann wurde gefragt, wer etwas sagen möchte. Und dann hieß es: Warum sagt jetzt keiner was? Die meisten saßen da, Woche für Woche, Monat für Monat, und meldeten sich nie zu Wort. Wenn dann aber z. B. die Mitgliederversammlung zu Ende war, dann sammelten sich meist so vier fünf Leute an der Kaffeemaschine oder wo auch immer, und unterhielten sich. Und worüber? Über Probleme. Über die ganzen Probleme, die es in der Gemeinde gab. Und dann hieß es: Eben hatten wir Mitgliederversammlung. Da hätten wir es besprechen können. Warum habt ihr nichts gesagt?

Vor einer großen Gruppe zu sprechen, fällt den meisten Leuten schwer. Das ist einfach so.

Es gibt viele Bibelstellen, die zeigen, dass Christen sich damals in privaten Häusern trafen.

Sprechen fällt leicht, wenn man eine Beschäftigung hat

Ich erinnere mich an eine Hauskreisleiterin, die sagte, der Hauskreis gehe kaputt, wenn alle immer nur dasitzen und schweigen. Sie hatte Recht. Der Hauskreis ging kaputt.

Wenn ich in irgendeinem Wartezimmer sitze, dann sitzen da oft viele fremde Leute und schweigen. Warum? Weil sie einander nicht kennen? Das ist nicht der Grund.

Einmal saß ich mit vielen fremden Leuten in einem Raum, die einander nicht kannten. Fast alle sprachen miteinander. Warum? Weil auf dem Tisch Kastanien lagen. Eltern bastelten mit ihren Kindern.

Menschen reden miteinander, wenn sie eine Beschäftigung haben.

Nein. Das stimmt nicht ganz. Mach nicht den gleichen Fehler wie ich! Ich dachte, gemeinsam zu kochen, sei eine schöne Beschäftigung, und übersah dabei, dass es für ein neu zusammengestelltes Küchenteam, das von einer wenig erfahrenen Person geleitet wird, und das für eine ganze Gemeinde kochen muss, Stress bedeuten kann, wenn man sich auch noch miteinander unterhalten soll.

Also korrigiere ich:

Menschen reden miteinander, wenn sie eine leichte Beschäftigung haben. Eine, die keine Aufmerksamkeit und keine Anstrengung erfordert.

Und was ist die beste Beschäftigung?

Essen.

Christoph Schalk schreibt:

Gemeinden, in denen sich Menschen gegenseitig zum Essen oder Kaffeetrinken einladen, werden mit einer größeren Wahrscheinlichkeit Wachstum erleben als solche, die das nicht tun - das ist ein Forschungsergebnis unseres Instituts.

„Leichter leben lernen“ Seite 139

Frag nach Problemen

Dazu darf ich anmerken, wie Christian A. Schwarz den Begriff „Kleingruppe“ definiert:

Eine Kleingruppe ist eine Gruppe, die klein ist.

„Die 3 Farben der Gemeinschaft“ Seite 8

Damit will er sagen, dass nicht nur „Hauskreise“ sondern auch „Teams“, „Arbeitskreise“ usw. „Kleingruppen“ sind. Und für alle Kleingruppen, auch für diese, ist es wichtig, „ganzheitlich“ zu sein, das heißt insbesondere, miteinander über persönliche Probleme ins Gespräch zu kommen.

Christian A. Schwarz hat das erforscht. Er schreibt:

Als entscheidender Faktor stellte sich die „Ganzheitlichkeit“ der Gruppen heraus. (...) Die Teilnehmer solcher Gruppen haben die Möglichkeit, sich mit den Fragen, die sie wirklich bewegen, in die Gemeinschaft einzubringen.

„Die natürliche Gemeindeentwicklung“ Seite 32

In seinem Gemeindetest stellt Christian A. Schwarz unter anderem die Testfrage, wie stark folgende Aussage zutrifft:

„Ich habe in der Gemeinde eine Gruppe, in der es möglich ist, sich über persönliche Probleme auszutauschen.“

Diese Testfrage steht in relativ großem Zusammenhang mit Qualität und Wachstum von Gemeinden.

Yonggi Cho schreibt:

Jeder ist frei, in der Gruppe seine Probleme anzusprechen und Rat und Gebet dafür zu bekommen. (...). Es ist ein wundervolles Gemeinschaftsleben. Einer hilft dem anderen. Wenn jemand zu einer Hauszelle gehört, weiß er, dass er geliebt wird und dass man sich um ihn sorgt.

„Erfolgreiche Hauszellgruppen“ Seite 56

Wenn der Leiter der Kleingruppe nicht darauf achtet, worüber gesprochen wird, bleiben die Gespräche erfahrungsgemäß oft oberflächlich. Es geht nicht in die Tiefe.

Was kannst du als Leiter der Kleingruppe tun, damit die Gespräche in die Tiefe gehen?

Frag jemanden, wie es ihm geht, was er erlebt hat, welche Probleme er hat und rege dazu an, sich darüber auszusprechen. Mach den Anfang und frage dann reihum, und schon gehen die Gespräche in die Tiefe.

So mache ich das, wenn ich eine Gruppe leite, und so habe ich es auf der Gemeindefreizeit gemacht. Es funktioniert.

Unser Pastor macht das ähnlich. Er fragt, wie es mir geht, und wenn ich es ihm sage, fragt er genauer nach, geht in die Tiefe, fragt nach Problemen, und wenn ich sie ihm nenne, fragt er nach den Ursachen und Hintergründen, und er fragt, wie es auf der Arbeit läuft und in der Familie und fragt und fragt und fragt, und ich antworte, und rede und erzähle und quatsche ihm die Ohren voll.

Eigentlich bin ich ein schweigsamer und wortkarger Mensch, was er mir oft bestätigt hat, aber er stellt mir so lange Fragen, bis ich mich leergequatscht habe, und das tut gut.

Wenn dir das mit den tiefgehenden Gesprächen gelingt, vergiss eins nicht:

Hör zu!

In Dale Carnegies berühmten Buch mit dem Titel „Wie man Freunde gewinnt“ ist ein ganzes Kapitel dem Thema Zuhören gewidmet.

Dort steht unter anderem:

Wir sind eigentlich alle so, wir lieben nichts mehr, als wenn wir für unsere Erzählungen einen wirklich interessierten Zuhörer haben.

„Wie man Freunde gewinnt“ Seite 114

Und am Ende des Kapitels steht als Zusammenfassung die Regel:

Seien Sie ein guter Zuhörer. Lassen Sie den anderen von sich selbst erzählen!

Sprüche 29,11

Seinen ganzen Unmut lässt der Tor herausfahren, aber der Weise beschwichtigt ihn zuletzt.

Nimm dir Zeit für mehrere Gespräche!

Bei meinem Männertreff haben wir über mehrere Treffen hinweg immer wieder über das gleiche Problem gesprochen, bis derjenige sich leergequatscht hatte. Und sichtlich erleichtert war. Und voller Lob.

Rede nicht über Menschen, die nicht da sind

In einem Hauskreis redete die Hauskreisleiterin oft schlecht über Menschen, und zwar immer dann, wenn sie mal nicht da waren. Ich wollte herausfinden, ob sie über mich schlecht redet, wenn ich mal nicht da bin. Ich kam zwanzig Minuten zu spät und fragte, worüber gesprochen wurde. Es kam heraus, dass sie böse und unwahre Dinge über mich gesagt hatte, bevor ich kam. Was genau, wollte man mir nicht sagen, trotz eindringlichen Nachfragens. Ich fühlte mich lange schlecht und verließ nach einiger Zeit diesen Hauskreis, den es inzwischen schon lange nicht mehr gibt.

Wie soll ich mich in einer Gemeinde wohlfühlen, wenn hinter meinem Rücken Gespräche laufen, von denen ich nichts wissen darf?

Jakobus 4,11

Redet nicht schlecht übereinander, Brüder!

Mihály Csíkszentmihályi schreibt:

Eine der Situationen, die uns am meisten Angst machen, ist, aus dem Fluss menschlicher Interaktion ausgeschlossen zu werden. Es besteht kein Zweifel, dass wir gesellige Wesen sind; nur in Gesellschaft anderer fühlen wir uns erfüllt.

„Flow“ Seite 218

Wenn andere über mich reden und ich an dem Gespräch nicht teilnehmen darf, ist doch klar, dass ich mich ausgeschlossen fühle, oder?

Reinhard Sprenger schreibt:

Wir alle haben Angst vor dem Abgewiesenwerden, uns als getrennt zu erleben, sozial degradiert zu werden. Wir wollen geborgen sein, wollen dazugehören, wünschen, dass uns mit Vertrauen und Wohlwollen begegnet wird.

„Vertrauen führt“ Seite 130

Swen Schönheit schreibt:

Jeder von uns wünscht sich Beziehungen, in denen man sich sicher fühlt.

„Gemeinde, die Kreise zieht“ Seite 92

Beziehungen, in denen ich damit rechnen muss, dass Lügen über mich erzählt werden, wenn ich mal nicht da bin, sind NICHT die Beziehungen, in denen man sich sicher fühlt. Und auch nicht, wenn ich damit rechnen muss, dass die anderen Dinge über mich zu wissen glauben, von denen ich nichts weiß. Und die gelogen sind.

Sicher fühle ich mich in Beziehungen, wo man einander kritisieren kann, Fehler nennen kann, offen sagen, was der andere falsch macht, was einem nicht passt, was einen ärgert, und vertrauen kann, dass der andere nicht wütend wird, nicht die Tür zuknallt, nicht das Gespräch abbricht. Vertrauen kann, dass die gute und wertvolle Beziehung nicht zerbricht. Das tut gut. Vertrauen können, wenn ich was falsch mache, dass die anderen nicht hinter meinem Rücken schlecht über mich reden, sondern es mir selber sagen. Vertrauen können, dass die anderen mich offen und ehrlich wissen lassen, wie sie wirklich über mich denken. In unserer Familie, bei meiner Frau, meinen Kindern und mir, da ist das so.

Und damit sind wir beim nächsten Thema:

Zurechtweisung

Christoph Schalk schreibt über eine der Testfragen des Gemeindetests:

Wer mehr „züchtigt“, wächst auch stärker, so die Forschungsergebnisse des Instituts für natürliche Gemeindeentwicklung. (...) „Wenn ein Gemeindeglied sich offensichtlich auf dem falschen Weg befindet (moralische Verfehlung etc.), wird es liebevoll, aber entschieden korrigiert“, lautete die Aussage, zu der etwa 26.000 Christen aus über 1.000 Gemeinden weltweit Stellung bezogen haben. (...) Das Schlüsselwort ist „Liebe“: Wachsende Gemeinden korrigieren moralische Verfehlungen nicht nur, sie tun es in Liebe. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass die liebevollen Beziehungen in solchen Gemeinden deutlich höher ausgeprägt sind als in Gemeinden, die keine derartige Gemeindezucht praktizieren: Nur 20,1 Prozent aller Gemeinden mit niedrigem „Liebesquotienten“ korrigieren „liebevoll aber entschieden.“ Von den Gemeinden mit hohem „Liebesquotienten“ tun das 64,4 Prozent. Interessant: Ähnliches gilt auch für die „leidenschaftliche Spiritualität“ einer Gemeinde; hier ist das Antwortverhalten sogar noch ausgeprägter. Nur magere 14,8 Prozent der Gemeinden, in denen dieses Qualitätsmerkmal schwach ausgeprägt ist, sagen, dass in ihrer Gemeinde liebevolle Korrektur stattfindet. In Gemeinden mit stark leidenschaftlicher Spiritualität sind es fast dreiviertel, genau: 74 Prozent. Liebevolle Gemeindezucht hängt also positiv zusammen mit Wachstum, guten Beziehungen (wo die Beziehungen anscheinend so tragfähig sind, dass man sich traut, auch heikle Punkte anzusprechen) und einem begeisterten geistlichen Leben (wo Sünde nun mal keinen Platz hat).

Zeitschrift „praxis dossier“ Ausgabe 3/97 Seite 17

Sprüche 27,17

Eisen wird durch Eisen geschärft, und ein Mann schärft das Angesicht seines Nächsten.

Hiob 6,24-25

... Und macht mir klar, worin ich geirrt habe! Wie könnten aufrichtige Worte kränkend sein!

Lukas 17,3

Habt acht auf euch selbst: Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht...

Galater 6,1

Brüder, wenn auch ein Mensch von einem Fehltritt übereilt wird, so bringt ihr, die Geistlichen, einen solchen im Geist der Sanftmut wieder zurecht.

2.Thessalonicher 3,15

und seht ihn nicht als einen Feind an, sondern weist ihn zurecht als einen Bruder!

2.Timotheus 4,2

Predige das Wort, stehe bereit zu gelegener und ungelegener Zeit; überführe, weise zurecht, ermahne mit aller Langmut und Lehre!

Titus 1,13

...weise sie streng zurecht, damit sie im Glauben gesund seien.

Apostelgeschichte 4,32

Die Menge derer aber, die gläubig geworden, war ein Herz und eine Seele...

1.Kor 1,10

Ich ermahne euch aber, Brüder, durch den Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr alle einmütig redet und nicht Spaltungen unter euch seien, sondern dass ihr in demselben Sinn und in derselben Meinung völlig zusammengefügt seiet.

Testfrage 80 aus dem Gemeindetest von Christian A. Schwarz ist die Frage, wie weit folgende Aussage zutrifft:

„Gibt es Meinungsverschiedenheiten zwischen mir und einem Gemeindemitglied gehe ich zu dieser Person, um den Konflikt zu lösen.“

Sprüche 25,15

Durch langen Atem wird ein Richter überredet, und eine sanfte Zunge zerbricht Knochen.

Zeige Verständnis

Meinungsverschiedenheiten, die es immer und in jeder Gemeinde gibt, kann man meist durch Gespräche lösen.

Wenn ich eine Meinungsverschiedenheit mit jemandem habe, wünsche ich mir vor allem, dass der andere, auch wenn er es nicht einsieht, mir wenigstens bestätigt, zugehört und mich verstanden zu haben. Verstanden, warum ich es als Problem empfinde.